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SAP-Beratung: Der komplette Leitfaden für Strategie, S/4HANA und Umsetzung

SAP-Beratung verbindet Geschäftsprozesse, SAP-Technologie, Daten, Organisation und Veränderungsmanagement zu einem Vorhaben, das im Unternehmen tatsächlich wirkt. Sie sorgt dafür, dass SAP kein reines IT-Projekt bleibt, sondern Prozesse beschleunigt, Entscheidungen auf verlässliche Daten stützt und die Systemlandschaft zukunftsfähig macht.

Dieser Leitfaden gibt Ihnen Orientierung, wenn Sie SAP einführen, auf SAP S/4HANA migrieren, Prozesse optimieren oder Ihre SAP-Landschaft langfristig betreiben wollen. Er zeigt, welche Arten der SAP-Beratung es gibt, wie ein Projekt abläuft, worauf Sie bei RISE with SAP, Public Cloud und Private Cloud achten sollten und woran Sie einen guten Beratungspartner erkennen.

Er richtet sich an Vorstand und Geschäftsführung, IT-Leitung, Fachbereichsleitung, Projektleitung und Einkaufsverantwortliche – an alle, die über SAP-Investitionen mitentscheiden oder sie verantworten.

Schnellorientierung: Wo stehen Sie?

Sie möchten SAP einführen, migrieren, optimieren oder einen Berater auswählen? Springen Sie direkt zum passenden Kapitel:

  • SAP einführen: „SAP-Beratung im Projektverlauf“ – die sieben Phasen von der Initialisierung bis zum Betrieb
  • Auf S/4HANA migrieren: „SAP S/4HANA: Der zentrale Beratungsfokus“ – Brownfield, Greenfield oder Hybrid
  • Prozesse optimieren: „Prozessberatung: Mehr als Software einführen“ – Fit to Standard statt Individualisierung
  • Einen Berater auswählen: „Den richtigen SAP-Beratungspartner auswählen“ – Kriterien, Fragenkatalog und Angebotsvergleich

Sie sind unsicher, welcher Weg zu Ihnen passt? Der Selbstcheck „Passt SAP-Beratung für Ihr Unternehmen?“ am Ende des Leitfadens liefert eine erste Einschätzung.

Was ist SAP-Beratung?

SAP-Beratung begleitet Unternehmen dabei, SAP-Lösungen auszuwählen, einzuführen, weiterzuentwickeln und zu betreiben – und dabei Geschäftsprozesse spürbar zu verbessern. Der Maßstab ist nicht, ob ein System läuft, sondern ob das Unternehmen damit schneller, transparenter und steuerbarer wird.

Definition und Abgrenzung zur allgemeinen IT-Beratung

Allgemeine IT-Beratung betrachtet IT-Strategie, Infrastruktur, Sicherheit oder Softwareauswahl meist herstellerübergreifend. SAP-Beratung setzt tiefer an: Sie kennt die Prozessmodelle, Datenstrukturen sowie die Lizenz- und Releaselogik von SAP und weiß, wie sich Standardfunktionen mit den Anforderungen eines konkreten Unternehmens verbinden lassen. Hinzu kommt eine Übersetzungsleistung. SAP-Berater sprechen die Sprache von Finanzen, Einkauf, Produktion oder Vertrieb und übersetzen Anforderungen in Konfiguration, Entwicklung und Datenmodell – und umgekehrt in Entscheidungsvorlagen für Management und Vorstand.

Die vier Beratungsdimensionen: Prozess, Technologie, Daten, Organisation

Gute SAP-Beratung betrachtet vier Dimensionen gleichzeitig. Fehlt eine davon, entstehen die typischen Schieflagen: ein technisch sauberes System, das niemand nutzt, oder ein durchdachter Prozess auf schlechten Daten.

  • Prozess: Wie arbeitet das Unternehmen künftig, und wo genügt der SAP-Standard?
  • Technologie: Welche Architektur trägt die Anforderungen – On-Premise, Private Cloud oder Public Cloud – und wie werden Systeme integriert?
  • Daten: Welche Daten werden gebraucht, in welcher Qualität, und wer verantwortet sie?
  • Organisation: Wer trifft welche Entscheidung, und wie werden Anwender und Führungskräfte mitgenommen?

Aufgaben der SAP-Beratung

Je nach Projektphase umfasst SAP-Beratung diese Aufgaben:

  • Analyse: Bestandsaufnahme von Prozessen, Systemen, Schnittstellen und Datenqualität
  • Strategie: Zielbild, Roadmap und Business Case für die künftige SAP-Landschaft
  • Konzeption: Soll-Prozesse, Architektur und Migrationsansatz
  • Implementierung: Konfiguration, Entwicklung, Integration und Tests
  • Schulung: Befähigung von Key-Usern und Anwendern
  • Betrieb und Weiterentwicklung: Support, Monitoring und kontinuierliche Verbesserung

Rollen rund um SAP: Wer macht was?

Im Projektalltag begegnen Ihnen unterschiedliche Rollen. Die Abgrenzung hilft, Aufgaben sauber zu verteilen und Angebote richtig zu lesen.

Rollen rund um SAP
Rolle Verantwortung
SAP-Berater Analysiert Anforderungen, gestaltet Soll-Prozesse und konfiguriert SAP-Lösungen, meist mit Schwerpunkt auf einem Fachgebiet wie Finanzen, Logistik oder Personal
SAP-Entwickler Entwickelt Erweiterungen, Schnittstellen und Berichte, zunehmend nach dem Clean-Core-Prinzip
SAP-Architekt Verantwortet das Gesamtbild aus Systemlandschaft, Integration, Cloud-Strategie und Erweiterbarkeit
SAP-Projektleiter Führt das Gesamtprojekt, steuert Termine, Budget und Risiken und bereitet Entscheidungen für den Lenkungsausschuss auf
SAP-Administrator (Basis) Sorgt für Installation, Betrieb, Performance, Sicherheit und Updates der Systeme
SAP-Partner Unternehmen, das SAP-Lösungen implementiert, betreibt oder vertreibt, vom Systemintegrator bis zum spezialisierten Beratungshaus

Typische Anlässe für SAP-Beratung

  • Neueinführung: Ein Unternehmen löst Insellösungen oder Tabellenkalkulationen durch ein integriertes ERP-System ab.
  • S/4HANA-Wechsel: Bestehende SAP-ERP-Systeme (ECC) werden auf SAP S/4HANA umgestellt, im eigenen Betrieb oder in der Cloud, etwa über RISE with SAP.
  • Prozessoptimierung: Vorhandene Abläufe werden vereinfacht, standardisiert und automatisiert.
  • Integration: SAP wird mit CRM, E-Commerce, MES, HR- oder Finanzsystemen verbunden.
  • Internationalisierung: Neue Gesellschaften, Länder und lokale Vorschriften werden in die Landschaft aufgenommen.

Warum Unternehmen SAP-Beratung brauchen

SAP-Software liefert den Rahmen, den Nutzen schafft erst die richtige Gestaltung. Unternehmen holen sich SAP-Beratung, weil Entscheidungen zu Prozessen, Architektur und Daten über viele Jahre wirken und sich später nur mit hohem Aufwand korrigieren lassen.

Der Nutzen auf einen Blick

  • Effizientere, standardisierte und automatisierte Prozesse: Einheitliche Abläufe reduzieren manuelle Arbeit, Nacharbeit und Medienbrüche und machen Wachstum beherrschbar.
  • Bessere Datenqualität und belastbare Entscheidungsgrundlagen: Eine konsistente Datenbasis liefert Kennzahlen, auf die sich Vorstand und Fachbereiche verlassen können.
  • Zukunftssichere, integrierte Systemlandschaft: Eine klare Architektur verbindet SAP- und Non-SAP-Systeme und bleibt offen für neue Anforderungen.
  • Compliance, Sicherheit und Skalierbarkeit: Berechtigungskonzepte, Nachvollziehbarkeit und passende Betriebsmodelle erfüllen regulatorische Vorgaben und wachsen mit dem Unternehmen.
  • Vermeidung teurer Fehlinvestitionen und übermäßiger Individualisierung: Wer früh auf Standard und klare Prioritäten setzt, spart später Aufwand bei Änderungen, Tests und Updates.

Für den Vorstand ist SAP-Beratung damit auch ein Instrument der Risikosteuerung: Sie schafft früh Transparenz über Kosten, Termine und Abhängigkeiten, bevor Grundsatzentscheidungen fallen.

Symptome: Wann wird SAP-Beratung dringend?

Diese Signale zeigen, dass Handlungsbedarf besteht:

  • Manuelle Doppelarbeit: Daten werden in mehreren Systemen oder Tabellen erfasst und abgeglichen. Das bindet Kapazität und erzeugt Fehler.
  • Fehlende Transparenz: Kennzahlen liegen spät, uneinheitlich oder erst nach Handarbeit vor. Entscheidungen stützen sich auf Schätzungen.
  • Viele Schnittstellen: Gewachsene Punkt-zu-Punkt-Verbindungen sind störanfällig und teuer in der Pflege.
  • Alte ECC-Version: Das System läuft auf SAP ECC, und ein Umstiegskonzept fehlt. Je später die Entscheidung fällt, desto weniger Handlungsspielraum bleibt.
  • Unklare Prozessverantwortung: Niemand verantwortet einen Prozess von Anfang bis Ende. Änderungen dauern lange, weil Zuständigkeiten ungeklärt sind.
  • Projekte ohne Steuerbarkeit: Termine verschieben sich, und Statusberichte lassen keine belastbare Entscheidung zu.

Treffen mehrere dieser Punkte zusammen, lohnt sich ein strukturierter Blick von außen, etwa in Form eines Strategie-Workshops oder eines Readiness-Assessments. Der Selbstcheck am Ende dieses Leitfadens hilft bei der ersten Einordnung.

Arten der SAP-Beratung

SAP-Beratung ist kein einheitliches Angebot. Je nach Fragestellung brauchen Sie strategische, fachliche, technische oder operative Unterstützung, meist in Kombination. Die folgende Übersicht ordnet sieben Beratungsarten nach Fragestellung, Ergebnissen und passendem Unternehmenskontext. Entscheidend ist, dass jemand das Gesamtbild führt und die Ergebnisse der einzelnen Beratungsarten zusammenführt.

Strategische SAP-Beratung

Die strategische SAP-Beratung klärt, wohin sich die SAP-Landschaft entwickeln soll und was der Weg kostet und bringt. Sie umfasst IST-Analyse, Zielbild, Roadmap und Business Case.

Strategische SAP-Beratung im Überblick
Typische Fragestellung Ergebnisse Passender Unternehmenskontext
Welche SAP-Strategie passt zu unserem Geschäftsmodell, und welcher Umstiegspfad ist wirtschaftlich sinnvoll? IST-Analyse, Zielbild, Roadmap, Business Case, Entscheidungsvorlage für Vorstand oder Geschäftsführung Unternehmen vor einer Grundsatzentscheidung, etwa zur ECC-Ablösung, zur Cloud-Strategie oder zur Konzernharmonisierung

Prozessberatung

Die Prozessberatung analysiert und harmonisiert Abläufe, bringt Best Practices ein und gestaltet die Organisation rund um den Prozess. Mehr dazu im Kapitel „Prozessberatung: Mehr als Software einführen“.

Prozessberatung im Überblick
Typische Fragestellung Ergebnisse Passender Unternehmenskontext
Wo verlieren wir Zeit und Qualität, und welche Prozesse lassen sich standardisieren? Prozesslandkarte, Soll-Prozesse, Fit-to-Standard-Bewertung, Organisationsdesign Unternehmen mit gewachsenen Insellösungen, mehreren Standorten oder unklarer Prozessverantwortung

Implementierungsberatung

Die Implementierungsberatung setzt das Zielbild um: von der Modulauswahl über Konfiguration und Tests bis zu Rollout und Go-live.

Implementierungsberatung im Überblick
Typische Fragestellung Ergebnisse Passender Unternehmenskontext
Wie führen wir SAP termin- und budgetgerecht ein, und wie sichern wir den Go-live ab? Konfiguriertes und getestetes System, Rollout-Plan, geschulte Anwender, Go-live-Freigabe Unternehmen mit beschlossener Strategie, die eine Neueinführung, einen Rollout oder eine Migration umsetzen

Technische Beratung

Die technische Beratung gestaltet Architektur, Integration und Erweiterungen: von der Systemlandschaft über Schnittstellen und Entwicklung bis zur SAP Business Technology Platform (SAP BTP) und zum Cloud-Betrieb.

Technische Beratung im Überblick
Typische Fragestellung Ergebnisse Passender Unternehmenskontext
Wie bauen wir eine Architektur, die stabil, erweiterbar und integriert ist? Zielarchitektur, Integrationskonzept, Erweiterungen nach dem Clean-Core-Prinzip, Cloud- und Betriebsmodell Unternehmen mit heterogener Systemlandschaft, hoher Individualisierung oder konkreten Cloud-Plänen

Datenberatung

Die Datenberatung sorgt dafür, dass die richtigen Daten in der richtigen Qualität im neuen System ankommen. Sie umfasst Stammdaten, Datenmigration, Datenqualität und Analytics.

Datenberatung im Überblick
Typische Fragestellung Ergebnisse Passender Unternehmenskontext
Welche Daten brauchen wir wirklich, und wie gut sind sie? Konzept zur Datenbereinigung, Mapping- und Validierungsregeln, migrationsfähiger Datenbestand, Reporting-Grundlage Unternehmen mit vielen Altsystemen, Dubletten oder lückenhaften Stammdaten, vor allem vor einer Migration

Sicherheits- und Compliance-Beratung

Diese Beratung schützt Systeme und Daten und macht regulatorische Vorgaben nachweisbar. Typische Themen sind Berechtigungen, Governance, Risk & Compliance (GRC), DSGVO und Audit.

Sicherheits- und Compliance-Beratung im Überblick
Typische Fragestellung Ergebnisse Passender Unternehmenskontext
Wie stellen wir sicher, dass Berechtigungen, Funktionstrennung und Datenschutz den Vorgaben genügen? Berechtigungskonzept, Kontrollrahmen, Audit-Vorbereitung, Datenschutzkonzept Unternehmen mit hohen Nachweispflichten, etwa in Pharma, Chemie, Energie oder in der Finanzbranche

Managed Services

Managed Services übernehmen Betrieb, Support, Monitoring und Weiterentwicklung der SAP-Landschaft. Bei RISE with SAP verantwortet SAP die Software, die Infrastruktur und den technischen Betrieb. Anwendungsbetreuung, Weiterentwicklung und Prozessunterstützung liegen typischerweise bei Partnern.

Managed Services im Überblick
Typische Fragestellung Ergebnisse Passender Unternehmenskontext
Wer betreut unser System nach dem Go-live, und wie entwickeln wir es weiter? Service-Level-Vereinbarung, Support- und Monitoring-Modell, Release- und Roadmap-Planung, laufende Optimierung Unternehmen ohne ausreichende interne SAP-Kapazitäten oder mit dem Wunsch nach planbaren Betriebskosten

SAP-Beratung im Projektverlauf

Ein SAP-Projekt durchläuft sieben Phasen. Gute SAP-Beratung begleitet alle sieben, sorgt dafür, dass Entscheidungen früh fallen und Risiken sichtbar werden, und lässt den Betrieb nach dem Go-live nicht abreißen. Die Phasen lassen sich auf die Methodik SAP Activate übertragen, die SAP für Einführungen empfiehlt (Discover, Prepare, Explore, Realize, Deploy, Run).

Die sieben Phasen im Überblick

Die sieben Phasen eines SAP-Projekts
Phase Inhalt Typisches Ergebnis
1. Initialisierung Ziele, Stakeholder, Budget, Risiken und Erfolgskriterien klären Projektauftrag, Governance, Erfolgskriterien
2. IST-Analyse Prozesse, Systeme, Schnittstellen, Datenqualität und Schwachstellen bewerten IST-Bericht mit Schwachstellen und Handlungsfeldern
3. Anforderungsanalyse Fachliche und technische Anforderungen erheben und priorisieren Priorisierter Anforderungskatalog
4. Zielkonzept und Roadmap Szenarien, Aufwand, Abhängigkeiten und Migrationspfad festlegen Zielbild, Roadmap, Business Case, Entscheidungsvorlage
5. Umsetzung Konfiguration, Entwicklung, Integration, Tests und Schulung Getestetes System, geschulte Anwender, Cut-over-Plan
6. Go-live und Hypercare Stabilisierung, Fehlerbehebung und Nutzerunterstützung Stabiler Betrieb, geordnete Übergabe in den Betrieb
7. Optimierung und Betrieb KPIs, Weiterentwicklung und Managed Services Betriebsmodell, KPI-Reporting, Backlog zur Weiterentwicklung

Entscheidungspunkte zwischen den Phasen

Zwischen den Phasen liegen Entscheidungspunkte, an denen der Lenkungsausschuss über Weiterführung, Umfang und Budget entscheidet. Sie funktionieren nur, wenn die Projektführung Entscheidungsvorlagen liefert, die tatsächlich entscheidbar sind: mit klaren Optionen, Kosten und Risiken statt reiner Statusampeln.

Wie lange dauert ein SAP-Projekt?

Die Laufzeiten variieren stark. Als grobe Orientierung gilt:

  • Standardisierte Pakete: Wochen bis wenige Monate
  • Klassische Brownfield-Projekte (Systemkonvertierung): etwa 6 bis 12 Monate
  • Tiefgreifende Greenfield-Projekte (Neuaufbau): oft 9 bis 24 Monate oder länger

Entscheidend sind Umfang, Anzahl der Gesellschaften, Grad der Individualisierung, Datenqualität und die Geschwindigkeit, mit der das Unternehmen Entscheidungen trifft. Eine belastbare Aussage zur Laufzeit liefert erst die IST-Analyse.

SAP S/4HANA: Der zentrale Beratungsfokus

SAP S/4HANA ist die Produktgeneration, auf die SAP seine Entwicklung ausrichtet, und für die meisten Unternehmen mit SAP ECC die wichtigste Weichenstellung der kommenden Jahre. Die Beratung klärt, wann der Umstieg erfolgt, auf welchem Weg und in welchem Betriebsmodell.

Warum S/4HANA für viele Unternehmen zum Pflichtthema wird

Nach den Angaben von SAP endet die Standardwartung für die Kernanwendungen der SAP Business Suite 7, darunter die jeweils letzten drei Enhancement Packages von SAP ERP 6.0 (ECC), Ende 2027. Eine optionale erweiterte Wartung bis Ende 2030 kostet zwei Prozentpunkte Aufschlag auf die bestehende Wartungsbasis. Für SAP S/4HANA hat SAP eine Wartungszusage bis Ende 2040 gegeben, die über aufeinanderfolgende Releases erfüllt wird.

Hinzu kommt: SAP bezeichnet den Weg zu SAP Cloud ERP als Pfad zu fortlaufender Innovation und empfiehlt, die Transformation bis Ende 2030 abzuschließen.

Für Systeme auf Fremddatenbanken laufen Ende 2030 zudem Support-Vereinbarungen aus. Konvertierungswerkzeuge für diese Systeme stehen nach Angaben von SAP nur bis dahin bereit, danach sind nur noch Neuimplementierungen vorgesehen. Für die größten und komplexesten Landschaften gibt es eine befristete Übergangsoption (Transition Option for SAP ERP) für die Jahre 2031 bis 2033. Voraussetzung ist, dass die Systeme bis zum 31. Dezember 2030 auf SAP ERP, private edition auf SAP HANA umgezogen sind; weitere Bedingungen gelten. Eine allgemeine Verlängerung der ECC-Wartung ist das nicht.

Für Vorstand und Geschäftsführung heißt das: Offen ist nicht das Ob, sondern das Wann und das Wie. Wer früh entscheidet, wählt Zeitplan, Umstiegsweg und Beratungspartner selbst. Wer spät startet, konkurriert um knappe Beraterkapazitäten und verliert Handlungsspielraum.

SAP ECC vs. SAP S/4HANA
Merkmal SAP ECC SAP S/4HANA
Datenbank Läuft auf verschiedenen Datenbanken Läuft ausschließlich auf SAP HANA (In-Memory)
Datenmodell Gewachsen, mit vielen Aggregat- und Hilfstabellen; getrennte Belege in Finanzbuchhaltung und Controlling Vereinfacht; das Universal Journal führt Finanz- und Controllingbelege in einer Quelle zusammen
Stammdaten Kunden- und Lieferantenstamm getrennt Business Partner als führendes Objekt
Oberfläche SAP GUI, SAP Fiori optional SAP Fiori als zentrale Oberfläche, SAP GUI weiterhin möglich
Auswertungen Häufig über ein separates Data Warehouse Embedded Analytics direkt im System, Auswertungen in Echtzeit
Weiterentwicklung Wartungsmodus ohne wesentliche Neuerungen Neue Funktionen einschließlich KI-Anwendungen, Wartungszusage bis 2040
Betriebsmodelle On-Premise oder gehostet On-Premise, Private Cloud oder Public Cloud

Brownfield: Systemkonvertierung des bestehenden Systems

Beim Brownfield-Ansatz wird das bestehende ECC-System technisch auf SAP S/4HANA konvertiert (System Conversion). Prozesse, Einstellungen, Daten und Historie bleiben weitgehend erhalten, und die Anwender kennen ihre Abläufe weiter. Das macht den Weg oft schneller und besser kalkulierbar.

Der Preis: Gewachsene Eigenentwicklungen, Datenaltlasten und unharmonisierte Prozesse wandern mit ins neue System, und das Vereinfachungspotenzial bleibt teilweise ungenutzt. Brownfield passt, wenn der Bestand sauber ist, die Prozesse tragen und die Frist knapp ist.

Greenfield: Neuaufbau mit Standardprozessen und Clean Core

Beim Greenfield-Ansatz (New Implementation) wird das Zielsystem neu aufgebaut. Prozesse werden gegen den SAP-Standard geprüft, Daten gezielt übernommen, Erweiterungen nur dort neu gebaut, wo sie einen echten Wettbewerbsvorteil bringen. Ziel ist ein schlankes System nach dem Clean-Core-Prinzip: Das Kernsystem bleibt standardnah, Erweiterungen werden davon entkoppelt.

Der Aufwand für Prozessdesign, Datenmigration und Change Management ist höher. Greenfield passt, wenn Prozesse harmonisiert, mehrere Gesellschaften zusammengeführt oder Altlasten bewusst abgelegt werden sollen. SAP S/4HANA Cloud Public Edition wird zudem immer als Neuimplementierung eingeführt.

Hybrid und Selective Transition: Teilmigration und schrittweiser Umbau

Die Selective Data Transition, auch Hybrid-Ansatz genannt, verbindet beide Welten. Es werden nur ausgewählte Daten, Strukturen oder Gesellschaften in eine neue S/4HANA-Umgebung überführt, der Umbau erfolgt schrittweise. So lassen sich bewährte Teile behalten und reformbedürftige Teile neu gestalten, etwa wenn Gesellschaften nacheinander umsteigen oder nur ein Teil der Historie gebraucht wird.

Der Ansatz verlangt sorgfältige Planung und Spezialwissen, weil Daten und Prozesse je Bereich unterschiedlich behandelt werden.

Entscheidungskriterien: Welcher Weg passt zu Ihrem Unternehmen?

In der Praxis entscheiden sechs Kriterien: der Umfang der Individualisierung, die Prozessharmonisierung, das Budget, der Zeitdruck, die Datenqualität und das Cloud-Zielbild. Die Matrix zeigt, wie die drei Wege bei diesen Kriterien abschneiden.

Brownfield vs. Greenfield vs. Hybrid
Kriterium Brownfield Greenfield Hybrid (Selective Data Transition)
Bestandsindividualisierung Hoher Bestand an bewährten Eigenentwicklungen lässt sich weitgehend übernehmen Eigenentwicklungen werden hinterfragt und nur bei echtem Mehrwert neu gebaut Eigenentwicklungen werden selektiv übernommen
Prozessharmonisierung Gering: bestehende Prozesse bleiben Hoch: Fit to Standard, einheitliche Prozesse Mittel: je nach Bereich
Budget Meist niedrigere Anfangsinvestition Meist höhere Anfangsinvestition, dafür schlankeres System Mittel bis hoch, abhängig vom Umfang
Zeitdruck Gut geeignet bei knapper Frist Braucht mehr Vorlauf Mittel, hohe Planungstiefe nötig
Datenqualität und Historie Altlasten und vollständige Historie bleiben erhalten Bereinigter Datenbestand, Historie nur nach Bedarf Selektive Übernahme nach Fachbereich oder Gesellschaft
Cloud-Zielbild On-Premise oder Private Cloud On-Premise, Private Cloud oder Public Cloud On-Premise oder Private Cloud
Die Matrix liefert eine erste Richtung, keine Entscheidung. Erst die IST-Analyse zu Eigenentwicklungen, Datenqualität und Zielbild zeigt, welcher Weg trägt.

Die Rolle von RISE with SAP und GROW with SAP

RISE with SAP richtet sich an Unternehmen, die bestehende SAP-Systeme modernisieren. Das Paket bündelt Software, Infrastruktur, Werkzeuge und Services unter einem Vertrag mit einem Service-Level-Agreement, SAP betreibt die Landschaft technisch. Den Kern bildet typischerweise die Private Cloud, also SAP Cloud ERP Private (auch: SAP S/4HANA Cloud Private Edition). Sie kann als Systemkonvertierung oder als Neuimplementierung eingeführt werden.

GROW with SAP richtet sich vor allem an Unternehmen, die neu mit SAP starten oder konsequent auf Standardprozesse setzen. Es basiert auf der Public Cloud, also SAP Cloud ERP (auch: SAP S/4HANA Cloud Public Edition), mit vorkonfigurierten Best-Practice-Prozessen und immer aktuellem Release. Bei reinen Standardprozessen kann die Zeit bis zum Go-live nach Angaben von SAP auf wenige Wochen sinken.

In Konzernen werden beide Welten häufig kombiniert: Die Zentrale läuft in der Private Cloud, Tochtergesellschaften nutzen die Public Cloud (Two-Tier-ERP). Für die Beratung gilt dabei: RISE with SAP und GROW with SAP regeln Vertrag und Betrieb, nicht das Projekt. Prozesse, Daten, Integration, Schulung und Change Management bleiben Aufgabe des Unternehmens und seines Beratungspartners. Mehr zu den Betriebsmodellen finden Sie im Kapitel „Cloud, BTP und moderne SAP-Architektur“.

Prozessberatung: Mehr als Software einführen

Software allein verbessert keinen Prozess. Die Prozessberatung stellt deshalb die Frage vor die Technik: Wie soll das Unternehmen arbeiten, und was davon leistet SAP bereits im Standard? Erst danach folgen Konfiguration und Entwicklung.

Typische Probleme in gewachsenen Prozesslandschaften

  • Insellösungen: Fachbereiche pflegen eigene Tools und Tabellen, die niemand zentral verantwortet.
  • Manuelle Arbeit: Daten werden kopiert, geprüft und nachbearbeitet, statt automatisch weiterzufließen.
  • Doppelte Datenpflege: Dieselben Stammdaten stehen in mehreren Systemen und weichen voneinander ab.
  • Fehlende Transparenz: Kennzahlen kommen spät oder fallen je nach Quelle unterschiedlich aus.

Das Vorgehen: von der Analyse zur Automatisierung

  1. Prozessanalyse: Abläufe von Anfang bis Ende aufnehmen, Schwachstellen und Medienbrüche sichtbar machen und Prozessverantwortliche benennen.
  2. Soll-Prozess: Zielprozesse gemeinsam mit den Fachbereichen entwerfen und gegen den SAP-Standard und Best Practices abgleichen.
  3. Standardisierung: Varianten reduzieren, Abweichungen begründen und Entscheidungen dokumentieren.
  4. Automatisierung: Wiederkehrende Schritte über Workflows und Prozessautomatisierung ersetzen, damit Daten ohne Handarbeit weiterfließen.

Beispiele aus den Fachbereichen

  • Finance: schnellerer Monatsabschluss, automatisierte Abstimmungen
  • Einkauf: durchgängiger Beschaffungsprozess von der Bedarfsmeldung bis zur Rechnungsprüfung
  • Vertrieb: durchgängiger Auftragsprozess vom Angebot bis zur Fakturierung
  • Lager: einheitliche Bestandsführung und abgestimmte Lagerprozesse
  • Produktion: verzahnte Planung, Fertigungssteuerung und Rückmeldung
  • HR: standardisierte Personalprozesse und Reisekostenabrechnung

Warum „Fit to Standard“ oft besser ist als starke Individualisierung

Beim Fit-to-Standard-Ansatz wird zuerst geprüft, wie weit der SAP-Standard die Anforderungen abdeckt. Jede Abweichung muss begründet werden und einen messbaren Nutzen haben. Das senkt Entwicklungs- und Testaufwand, erleichtert Updates, verkürzt Projektlaufzeiten und verringert die Abhängigkeit von einzelnen Entwicklern.

Individualisierung bleibt dort sinnvoll, wo ein Prozess echten Wettbewerbsvorteil schafft. Eine einfache Prüffrage hilft bei der Abgrenzung: Würde ein Kunde den Unterschied bemerken, und zahlt der Prozess auf Ihre Differenzierung ein? Lautet die Antwort Nein, genügt in der Regel der Standard.

Drei Praxisbeispiele

Die folgenden Beispiele zeigen typische Ausgangslagen und Lösungswege.

Beispiel 1: Finance-Closing beschleunigen

  • Ausgangslage: Der Monatsabschluss dauert viele Arbeitstage. Buchungen aus Nebensystemen werden manuell nachgebucht, Abstimmungen laufen über Tabellen, Korrekturen fallen spät auf.
  • Lösung: Standardisierte Abschlusschecklisten, automatisierte Abstimmungen und Buchungen, eine gemeinsame Belegquelle im Hauptbuch sowie klare Fristen und Verantwortlichkeiten.
  • Ergebnis: Kürzere Abschlussdauer, weniger manuelle Korrekturbuchungen, früher verfügbare Kennzahlen.

Beispiel 2: Bestandsprozesse harmonisieren

  • Ausgangslage: Mehrere Werke und Lager führen Bestände nach eigenen Regeln. Bestandsdifferenzen, hohe Sicherheitsbestände und aufwendige Inventuren sind die Folge.
  • Lösung: Einheitliche Materialstammdaten und Bewegungsarten, gemeinsame Bestandsführung, standardisierte Lagerprozesse und ein einheitliches Inventurverfahren in SAP.
  • Ergebnis: Verlässlichere Bestandsdaten, geringere Kapitalbindung, weniger Inventurdifferenzen.

Beispiel 3: Vertriebsprozesse mit CRM und SAP verbinden

  • Ausgangslage: Der Vertrieb pflegt Kunden und Angebote im CRM, Aufträge und Preise werden im ERP erneut erfasst. Das kostet Zeit und führt zu Abweichungen.
  • Lösung: Integration von CRM und SAP über Standardschnittstellen, einmal geführte Kunden- und Produktstammdaten und ein durchgängiger Prozess vom Lead bis zur Rechnung.
  • Ergebnis: Weniger Doppelerfassung, schnellere Auftragsbearbeitung, ein einheitlicher Blick auf Kunde und Umsatz.

Fachbereiche der SAP-Beratung

SAP-Beratung sieht in jedem Fachbereich anders aus. Statt einer reinen Modulliste zeigt die Fachbereichs-Matrix, welche Herausforderung typischerweise dahintersteckt, welche SAP-Lösung infrage kommt, welche Beratungsleistung gebraucht wird und woran sich der Erfolg messen lässt.

Die Fachbereichs-Matrix im Überblick

Fachbereichs-Matrix
Fachbereich Typische Herausforderung Passende SAP-Lösung Häufige Beratungsleistung Relevanter KPI
Finance und Controlling (FiCo, Closing, Reporting, Central Finance, Compliance) Langsamer Abschluss, getrennte Systeme, hoher Aufwand für Konsolidierung und Nachweise SAP S/4HANA Finance, SAP Central Finance, SAP Analytics Cloud Closing-Optimierung, Central-Finance-Konzept, Reporting-Design, Umsetzung von Compliance-Vorgaben Dauer des Monatsabschlusses, Anteil manueller Buchungen, Forecast-Genauigkeit
Supply Chain (Planung, Beschaffung, Lager, Transport, Produktion) Intransparente Bestände, Planungsbrüche zwischen Einkauf, Lager und Produktion, lange Durchlaufzeiten SAP S/4HANA, SAP Extended Warehouse Management, SAP Integrated Business Planning, SAP Ariba Prozessharmonisierung, Planungskonzept, Lager- und Transportdesign, Lieferantenanbindung Liefertreue, Bestandsreichweite, Durchlaufzeit, Kapitalbindung
Vertrieb und Customer Experience (Sales, Service, Marketing, Commerce) Medienbrüche zwischen CRM, Shop und ERP, uneinheitliche Kundensicht SAP S/4HANA Sales, SAP Sales Cloud, SAP Service Cloud, SAP Commerce Cloud CRM-ERP-Integration, Vertriebsprozessdesign, Anbindung von Commerce-Kanälen Durchlaufzeit vom Angebot zum Auftrag, Abschlussquote, Kundenzufriedenheit
Personal (HCM, SuccessFactors, Reisekosten, HR-Prozesse) Verteilte HR-Prozesse, manuelle Reisekostenabrechnung, fehlende Talentdaten SAP SuccessFactors, SAP HCM, SAP Concur HR-Prozessdesign, Cloud-Umstieg im Personalbereich, Integration mit Finance Time-to-Hire, Fluktuation, Dauer der Reisekostenabrechnung
IT und Daten (BTP, Integration Suite, Analytics, Master Data Governance) Heterogene Landschaft, uneinheitliche Stammdaten, schwer auswertbare Daten SAP Business Technology Platform, SAP Integration Suite, SAP Analytics Cloud, SAP Master Data Governance Integrationsarchitektur, Datenmodell und Data Governance, Erweiterungen nach dem Clean-Core-Prinzip Anzahl Schnittstellen, Datenqualitätsquote, Anteil Standard gegenüber Individualentwicklung

Fachbereichsübergreifend zählen vor allem die Ende-zu-Ende-Prozesse: Order-to-Cash vom Auftrag bis zum Zahlungseingang, Procure-to-Pay von der Bestellung bis zur Zahlung und Record-to-Report vom Beleg bis zum Abschluss. An diesen Nahtstellen entscheidet sich, ob SAP als durchgängiges System wirkt oder als Sammlung einzelner Module.

Integration, Daten und Analytics

In vielen SAP-Projekten liegt der Erfolgsfaktor nicht im SAP-System selbst, sondern in dem, was es umgibt: den Schnittstellen zu anderen Systemen, der Qualität der Daten und der Frage, wie daraus verlässliche Auswertungen entstehen.

Warum Integration oft der eigentliche Erfolgsfaktor ist

Kein Unternehmen arbeitet nur mit SAP. CRM, Onlineshop, Produktionssteuerung, Personal- und Finanzsysteme müssen zusammenspielen. Gewachsene Punkt-zu-Punkt-Schnittstellen sind teuer in der Pflege und bremsen jede Veränderung. Eine Integrationsarchitektur mit zentraler Plattform, einheitlichen Standards und klaren Verantwortlichkeiten macht Prozesse durchgängig und Releases beherrschbar.

In Migrationsprojekten ist die Schnittstellenlandschaft außerdem ein häufiges Terminrisiko: Jede Schnittstelle muss analysiert, angepasst und getestet werden.

SAP- und Non-SAP-Systeme verbinden

  • CRM: Kunden-, Angebots- und Auftragsdaten fließen durchgängig zwischen Vertrieb und ERP.
  • E-Commerce: Preise, Verfügbarkeiten und Aufträge laufen in Echtzeit zwischen Shop und SAP.
  • MES: Fertigungsaufträge, Rückmeldungen und Qualitätsdaten verbinden Produktion und Planung.
  • HR: Stammdaten, Organisationsstrukturen und Abrechnungsdaten werden zwischen Personal- und Finanzsystemen abgeglichen.
  • Finanzsysteme: Banken, Konsolidierung und Meldewesen werden angebunden, ohne manuelle Zwischenschritte.

Stammdatenmanagement und Datenqualität

Stammdaten sind die Grundlage jedes Prozesses. Dubletten, fehlende Pflichtfelder und veraltete Einträge fallen im Altsystem oft kaum auf. Im neuen System mit strengeren Prüfungen und automatisierten Abläufen führen sie zu Fehlern. Das Stammdatenmanagement gehört deshalb an den Anfang eines Projekts: mit klaren Dateninhabern, verbindlichen Regeln und, wo sinnvoll, einer zentralen Lösung wie SAP Master Data Governance.

Datenmigration in vier Schritten

  1. Mapping: Felder und Strukturen des Altsystems den Feldern des Zielsystems zuordnen.
  2. Bereinigung: Dubletten, Altlasten und fehlerhafte Einträge beseitigen.
  3. Harmonisierung: Schreibweisen, Codes und Strukturen vereinheitlichen.
  4. Validierung: Ergebnisse gegen definierte Regeln prüfen und durch die Fachbereiche abnehmen lassen.

Eine selektive Datenübernahme beschränkt die Migration auf die Daten, die im Tagesgeschäft wirklich gebraucht werden. Das verkürzt Laufzeit und Aufwand. Altdaten, die nur noch für Auskünfte dienen, werden revisionssicher archiviert.

Datenqualität vor der Migration: Checkliste

Datenbereinigung und -vorbereitung gehören zu den häufig unterschätzten Kostentreibern. Wer sie erst in der Testphase angeht, verliert Zeit, die im Plan nicht vorgesehen ist. Diese Checkliste hilft, früh den Stand zu klären:

  • Dateninhaber: Ist für jede Datenart, etwa Kunden, Lieferanten, Material und Finanzen, eine verantwortliche Person benannt?
  • Duplikate: Sind doppelte Kunden-, Lieferanten- und Materialstämme erkannt und zusammengeführt?
  • Pflichtfelder: Sind alle Felder gefüllt, die das Zielsystem verlangt?
  • Historie: Ist geklärt, welche Daten in welchem Umfang übernommen und welche archiviert werden?
  • Berechtigungen: Sind Zugriffsrechte und Rollen im Zielsystem geplant und bereinigt?
  • Validierungsregeln: Gibt es definierte Prüfregeln und Abnahmekriterien, mit denen sich Migrationsergebnisse nachweisen lassen?
  • Testmigrationen: Sind mehrere Probeläufe mit Ergebnisabgleich eingeplant?

Reporting und Analytics mit SAP

Reporting braucht eine saubere Basis, sonst entstehen widersprüchliche Zahlen. SAP bietet dafür drei Ebenen: Embedded Analytics liefert operative Auswertungen in Echtzeit direkt aus SAP S/4HANA. SAP Analytics Cloud ergänzt Planung, Analyse und Dashboards. Ein Data Warehouse wie SAP BW/4HANA oder die Cloud-Lösung SAP Datasphere führt Daten aus SAP- und Non-SAP-Systemen für unternehmensweite Auswertungen zusammen. SAP bündelt diese Bausteine in der SAP Business Data Cloud.

Wer noch SAP BW 7.5 betreibt, sollte die Wartungsfrist im Blick behalten: Sie folgt nach den Angaben von SAP derselben Linie wie die SAP Business Suite 7 (Standardwartung bis Ende 2027, optional erweitert bis Ende 2030).

Cloud, BTP und moderne SAP-Architektur

Die Betriebsform ist eine strategische Entscheidung: Sie legt Kosten, Flexibilität und Innovationsgeschwindigkeit für Jahre fest. SAP-Beratung klärt, welches Modell zu Prozessen, Regulierung und Zielbild passt.

On-Premise, Private Cloud, Public Cloud und Hybrid im Vergleich

On-Premise vs. Private Cloud vs. Public Cloud
Kriterium On-Premise Private Cloud Public Cloud
Kontrolle Höchste Kontrolle über System, Infrastruktur und Zeitpunkt von Updates Hohe Kontrolle: eigene Instanz, Erweiterungen und Update-Zeitpunkt weitgehend selbst bestimmbar Geringste Kontrolle, dafür Standard und Best Practices; Erweiterungen nur über freigegebene Schnittstellen
Betriebsmodell Betrieb durch das Unternehmen oder einen Dienstleister SAP betreibt die dedizierte Instanz (Single Tenant), die Anwendungsbetreuung liegt beim Unternehmen oder einem Partner SAP betreibt eine gemeinsam genutzte Plattform (Multi Tenant) einschließlich Updates
Skalierung Hardware muss geplant und beschafft werden Ressourcen lassen sich im Rahmen des Vertrags anpassen Hoch: Nutzer und Gesellschaften lassen sich zügig ergänzen
Kostenstruktur Investitionen in Lizenzen und Infrastruktur, laufende Wartung und eigener Betrieb Laufendes Abonnement einschließlich Betrieb. Laufendes Abonnement, standardisiert, meist mit geringerem Einführungsaufwand
Release-Rhythmus Selbst bestimmt Weitgehend selbst bestimmt Regelmäßige Releases, die SAP einspielt
Typisches Einsatzszenario Stark individualisierte Landschaften, besondere Betriebs- oder Regulierungsvorgaben Bestandskunden mit komplexen Prozessen, die in die Cloud wechseln und Individualisierungen teilweise behalten Neukunden, Tochtergesellschaften und Unternehmen mit konsequent standardisierten Prozessen
Hybrid heißt, Modelle zu kombinieren: etwa die Zentrale in der Private Cloud und Tochtergesellschaften in der Public Cloud (Two-Tier-ERP), oder ein bestehendes ERP-System, das um Cloud-Anwendungen für Personal, Einkauf oder Analytics ergänzt wird.

SAP Business Technology Platform: Erweiterungs- und Integrationsplattform

Die SAP Business Technology Platform (SAP BTP) ist die Plattform, auf der Erweiterungen, Integrationen, Datenmanagement und KI-Anwendungen entstehen, ohne den ERP-Kern zu verändern. Sie bündelt unter anderem die SAP Integration Suite zur Verbindung von Systemen, SAP Build für Low-Code-Entwicklung und Automatisierung sowie Dienste für Daten und KI.

Clean Core: Kern stabil halten, Erweiterungen entkoppeln

Clean Core bedeutet, den ERP-Kern standardnah zu halten und individuelle Anforderungen über freigegebene Schnittstellen zu entkoppeln. Dafür gibt es drei Wege:

  • Key-User-Erweiterungen (In-App): einfache Anpassungen wie zusätzliche Felder, Regeln oder Formulare direkt im System, ohne Programmierung
  • On-Stack-Entwicklung mit ABAP Cloud: Erweiterungen, die eng am Systemkern liegen und dennoch update-stabil bleiben
  • Side-by-Side auf der SAP BTP: eigenständige Anwendungen, Workflows und Integrationen außerhalb des Kerns

SAP empfiehlt, zuerst die Möglichkeiten der Key-User-Erweiterungen auszuschöpfen und erst dann weiterzugehen. Der Nutzen: Updates lassen sich mit geringerem Aufwand einspielen, der Testumfang sinkt, und die Kosten werden planbarer. Ein internes Gremium, bei SAP „Solution Standardization Board“ genannt, prüft Abweichungen vom Standard und dokumentiert die Begründung.

Automatisierung, KI, Fiori-Apps und Low-Code-Entwicklung

  • Automatisierung: Wiederkehrende Aufgaben wie Freigaben, Abstimmungen oder Belegprüfungen laufen regelbasiert und ohne Handarbeit ab.
  • KI: Assistenzfunktionen wie SAP Joule unterstützen Anwender beim Navigieren, Auswerten und Erfassen. Neue KI-Funktionen stehen vor allem in den Cloud-Editionen bereit; für ECC und On-Premise-Systeme gelten gesonderte, an eine Cloud-Verpflichtung geknüpfte Bedingungen.
  • Fiori-Apps: Rollenbasierte, übersichtliche Anwendungen ersetzen komplexe Transaktionen und lassen sich auch mobil nutzen.
  • Low-Code: Mit SAP Build entwickeln Fachbereiche und IT einfache Anwendungen und Workflows schneller und standardkonform.

Sicherheit und Compliance in Cloud-Umgebungen

Der Betrieb in der Cloud verschiebt Aufgaben, nicht die Verantwortung. SAP verantwortet Infrastruktur, technischen Betrieb und Basissicherheit. Das Unternehmen bleibt verantwortlich für Berechtigungen, Prozesse, Datenklassifizierung und Nachweise. Vor der Entscheidung sollten diese Punkte geklärt sein:

  • Datenhaltung: Standort der Rechenzentren, Datenschutz nach DSGVO und Auftragsverarbeitung
  • Berechtigungen: Rollen- und Funktionstrennungskonzept auch für Cloud-Anwendungen
  • Validierung: In regulierten Branchen wie Pharma, Biotechnologie und Chemie muss klar sein, wie regelmäßige Releases mit Validierungspflichten zusammenpassen
  • Nachweise: Zertifizierungen, Audit-Rechte und Notfallkonzepte vertraglich verankern

Welches Betriebsmodell zu Ihrem Unternehmen passt, klären wir gemeinsam mit Ihnen in einem Strategie-Workshop.

SAP-Beratung nach Unternehmensgröße

Die Größe eines Unternehmens bestimmt, welche Fragen in der SAP-Beratung im Vordergrund stehen. Kleine Unternehmen brauchen vor allem Tempo und Standard, der Mittelstand Ordnung in wachsender Komplexität, Konzerne Governance und Steuerbarkeit.

Kleine Unternehmen: Standardisierung und schnelle Einführung

Bei kleinen Unternehmen zählt ein schneller, schlanker Start. Der Fokus liegt auf klaren Prozessen, konsequenter Standardisierung und möglichst geringer Individualisierung. Ein vorkonfigurierter Cloud-Standard, etwa in der Public Cloud, verkürzt die Einführung und hält den Betriebsaufwand niedrig. Beratung heißt hier vor allem: Prozesse sauber definieren, Daten vorbereiten, Anwender befähigen.

Mittelstand: internationale Rollouts, Schnittstellen und Change Management

Im Mittelstand kommen mehrere Themen zusammen: Neue Standorte und Länder werden angebunden, die Zahl der Schnittstellen wächst, Stammdaten sind uneinheitlich, und die Organisation muss den Wandel mittragen. Gefragt sind ein Template-Ansatz für Rollouts, eine belastbare Datenbasis und ein Change Management, das früh beginnt. Je nach Individualisierungsgrad passt die Private Cloud oder die Public Cloud.

Konzerne: Governance, zentrale Stammdaten und Two-Tier-ERP

Konzerne betreiben oft mehrere SAP-Systeme, teils aus Zukäufen. Im Vordergrund stehen Governance, eine Zielarchitektur für die gesamte Landschaft, zentrale Stammdaten und die Frage, welche Gesellschaft auf welchem System läuft. Ein Two-Tier-ERP kombiniert ein zentrales System für die Konzernzentrale mit schlankeren Systemen für Tochtergesellschaften.

Drei Szenarien: Erkennen Sie Ihren Fall?

Drei Szenarien nach Unternehmensgröße
Szenario Typische Ausgangslage Beratungsschwerpunkte Mögliche Wege
Produzierender Mittelstand mit 200 Nutzern Gewachsenes ECC-System mit vielen Eigenentwicklungen, variantenreiche Fertigung, Wartungsfrist in Sicht Bewertung der Eigenentwicklungen, Datenbereinigung, Fit to Standard bei Fertigung und Lager, Schulung der Key-User Brownfield oder selektive Datenübernahme in die Private Cloud; bei geringer Individualisierung auch Greenfield
Internationaler Händler mit mehreren Gesellschaften Landesgesellschaften mit eigenen Systemen, uneinheitliche Stammdaten, Shop und Warenwirtschaft getrennt Globales Template, Stammdatenharmonisierung, Integration des E-Commerce, lokale Anforderungen wie Steuern und Rechnungsstellung Greenfield mit gemeinsamem Template und schrittweisem Rollout; für kleinere Gesellschaften auch Public Cloud
Konzern mit bestehender SAP-Landschaft Mehrere SAP-Systeme unterschiedlicher Releases, manuelle Konsolidierung, uneinheitliche Prozesse Governance, Zielarchitektur, zentrale Stammdaten, Reihenfolge der Umstellung Selective Data Transition und gestaffelte Umstellung; SAP Central Finance als Zwischenschritt für ein einheitliches Finanzreporting
Die Wege sind Beispiele, keine Empfehlung. Welcher trägt, zeigt erst die IST-Analyse Ihrer Landschaft.

Was kostet SAP-Beratung?

Was SAP-Beratung kostet, lässt sich seriös nur anhand Ihres Vorhabens beantworten. Pauschale Preise führen in die Irre, weil Umfang, Ausgangslage und Zielbild den Aufwand um ein Vielfaches verschieben. Vorab klären lassen sich die Kostentreiber, die Vergütungsmodelle und die Bestandteile einer vollständigen Kalkulation.

Kostentreiber

  • Umfang: Zahl der Prozesse, Standorte und Nutzer
  • Module: Breite und Tiefe der eingesetzten Funktionen
  • Anzahl der Gesellschaften: Länder, lokale Vorschriften und Rollouts
  • Individualisierung: Eigenentwicklungen und Schnittstellen müssen angepasst oder neu gebaut werden
  • Datenqualität: Bereinigung und Harmonisierung kosten Zeit, die oft zu knapp eingeplant wird
  • Migrationsansatz: Brownfield, Greenfield oder Hybrid verteilen den Aufwand unterschiedlich
  • Beratererfahrung: Seniorität, Branchenwissen und Verfügbarkeit beeinflussen Sätze und Effizienz

Vergütungsmodelle im Überblick

Vergütungsmodelle im Überblick
Modell So funktioniert es Geeignet, wenn Zu beachten
Tagessätze Abrechnung nach tatsächlichem Aufwand zu vereinbarten Sätzen je Rolle Der Umfang ist noch offen oder ändert sich im Projektverlauf Budgetkontrolle braucht laufende Steuerung und transparentes Reporting
Festpreis Vereinbarter Preis für einen klar definierten Leistungsumfang Anforderungen sind stabil und genau abgegrenzt Ein Festpreis auf Basis eines groben Konzepts deckelt Kosten nur scheinbar: Änderungen laufen über Nachträge
Time & Material mit Budgetrahmen Aufwandsabrechnung mit vereinbarter Obergrenze und Freigabepunkten Flexibilität ist gewünscht, aber Planungssicherheit nötig Obergrenze und Freigabeprozess müssen vertraglich eindeutig geregelt sein
Monatspauschale Fester Monatsbetrag für definierten Leistungsumfang im Betrieb Betrieb, Support und Weiterentwicklung nach dem Go-live Leistungsumfang, Reaktionszeiten und Mengengerüst klar festlegen

Typische Kostenblöcke

Typische Kostenblöcke
Kostenblock Art Enthält typischerweise
Beratung Einmalig Strategie, Analyse, Konzeption, Projektleitung
Implementierung Einmalig Konfiguration, Entwicklung, Integration, Tests
Migration Einmalig Datenbereinigung, Mapping, Testmigrationen, Cutover
Schulung und Change Management Einmalig, teils laufend Key-User-Training, Anwenderschulung, Kommunikation
Lizenzen bzw. Abonnements Laufend Lizenzen oder Subscription, Wartung
Betrieb Laufend Support, Monitoring, Weiterentwicklung, Infrastruktur oder Cloud-Betrieb
Einmalige Projektkosten fallen bis zum Go-live an. Laufende Betriebskosten kommen danach jedes Jahr hinzu und summieren sich über die Nutzungsdauer erheblich. Wer eine Entscheidung nur auf die Projektkosten stützt, trifft sie auf unvollständiger Grundlage.

TCO-Checkliste: Was in die Kalkulation gehört

Die Gesamtkosten über den Lebenszyklus (Total Cost of Ownership, TCO) umfassen mehr als das Beratungsangebot. Diese Punkte gehören in jede Kalkulation:

  • Beratung und Implementierung einschließlich Projektleitung
  • Interne Ressourcen: Zeit der Fachbereiche, Key-User und IT
  • Datenbereinigung und Migration einschließlich Testmigrationen
  • Tests: Integrations-, Abnahme- und Performancetests
  • Schulung und Change Management
  • Hypercare: Stabilisierung nach dem Go-live
  • Infrastruktur: Hosting oder Cloud-Betrieb, Test- und Entwicklungssysteme
  • Laufende Lizenzen bzw. Abonnements und Wartung

Kostenfallen-Checkliste

  • Fehlender Risikopuffer: Das Budget enthält keine Reserve für Unvorhergesehenes.
  • Unterschätzte interne Fachbereichszeit: Workshops, Tests und Abnahmen binden Key-User deutlich länger als geplant.
  • Unklare Schnittstellen: Anzahl und Umfang der Schnittstellen sind nicht erhoben.
  • Späte Datenbereinigung: Die Bereinigung startet erst kurz vor den Testmigrationen.
  • Fehlende Hypercare-Phase: Nach dem Go-live ist keine Unterstützung eingeplant.

Einen belastbaren Kostenrahmen erhalten Sie nach einer IST-Analyse mit klar abgegrenztem Umfang. Transparent heißt dabei: Annahmen, Risiken und Aufwände werden vor Vertragsabschluss offen ausgewiesen.

Den richtigen SAP-Beratungspartner auswählen

Der Beratungspartner prägt Verlauf und Ergebnis eines SAP-Projekts oft stärker als jede Technologieentscheidung. Sechs Kriterien helfen, Anbieter zu unterscheiden.

Sechs Kriterien für die Auswahl

  • Branchenerfahrung und referenzierbare Projekte: Wer Ihre Branche kennt, kennt Prozesse, Vorschriften und typische Stolpersteine. Fragen Sie nach vergleichbaren Projekten und sprechen Sie mit Referenzkunden.
  • Prozesskompetenz statt reiner Toolkenntnis: Gute Berater hinterfragen Prozesse, bevor sie konfigurieren. Reines Toolwissen führt zu gut konfigurierten, aber schlechten Prozessen.
  • Erfahrung in der Beratung: Studium und Ausbildung belegen eine Grundkompetenz, ersetzen aber keine Projekterfahrung. Entscheidend ist, das Team an Beratern, nicht nur Theoretiker auch Berater aus der Praxis sind wichtig für das gelingen.
  • Klare Methodik, transparentes Angebot und realistische Roadmap: Seriöse Angebote benennen Vorgehen, Annahmen und Risiken und halten an der Roadmap auch bei unbequemen Fakten fest.
  • Kapazitäten, Sprachen, Standorte und Nähe zum Unternehmen: Wichtig ist, dass das zugesagte Team über die gesamte Laufzeit verfügbar ist, die Projektsprache passt und Präsenz dort möglich ist, wo sie gebraucht wird.
  • Unabhängigkeit und Projektführung: Fragen Sie, wie Empfehlungen zustande kommen und ob Alternativen bewertet wurden. Eine eigene Projektleitung auf Ihrer Seite sorgt dafür, dass Entscheidungen verbindlich fallen.

Zehn Fragen für das Erstgespräch

  1. Welche vergleichbaren Projekte (Branche, Größe, Umstiegsweg) haben Sie realisiert, und kann ich mit Referenzkunden sprechen?
  2. Wer gehört zum festen Kernteam, und wie lange steht es zur Verfügung?
  3. Wie begründen Sie den vorgeschlagenen Umstiegsweg, und welche Alternativen haben Sie geprüft?
  4. Welche Annahmen stecken im Angebot, und was passiert, wenn sie nicht eintreffen?
  5. Wie gehen Sie mit unseren Eigenentwicklungen und mit der Datenqualität um?
  6. Welche Methodik, welche Entscheidungsgremien und welches Reporting schlagen Sie vor?
  7. Welche Aufgaben und welchen Zeitaufwand erwarten Sie von unseren Fachbereichen und unserer IT?
  8. Wie planen Sie Tests, Schulung und Change Management?
  9. Sind Hypercare, Betrieb, Support und Weiterentwicklung enthalten, und wie ist der Übergang geregelt?
  10. Wie gehen Sie mit Änderungen, Eskalationen und unbequemen Nachrichten um?

Häufige Fehler in SAP-Projekten

Die meisten Probleme in SAP-Projekten sind vorhersehbar. Die Tabelle zeigt sieben typische Fehler, woran Sie sie früh erkennen und was dagegen hilft.

Typische Fehler, Früherkennung und Gegenmaßnahmen

Typische Fehler in SAP-Projekten
Fehler Früherkennung Gegenmaßnahme
Technologie vor Prozess denken Diskussionen drehen sich um Module und Funktionen, doch niemand kann die Soll-Prozesse beschreiben Zuerst Ziele und Prozesse klären, dann Technologie wählen; Fit-to-Standard-Workshops mit den Fachbereichen
Zu viele Individualisierungen Die Wunschliste für Eigenentwicklungen wächst, der Entwicklungsaufwand übersteigt den Plan, Begründungen fehlen Standard als Voreinstellung; jede Abweichung braucht eine Nutzenbegründung und eine Freigabe; Erweiterungen nach dem Clean-Core-Prinzip
Datenqualität und Stammdaten unterschätzen Erste Testmigrationen zeigen hohe Fehlerquoten, Dateninhaber sind nicht benannt Datenanalyse schon in der IST-Phase, benannte Dateninhaber, frühe Testmigrationen, definierte Validierungsregeln
Change Management und Schulung zu spät starten Key-User sind kaum eingebunden, Fachbereiche haben offene Fragen zu den Auswirkungen, Widerstand wächst Change-Plan ab Projektstart, Key-User-Netzwerk, Schulungen mit ausreichendem Vorlauf zum Go-live
Kein klares Zielbild oder fehlender Business Case Der Lenkungsausschuss hat unterschiedliche Erwartungen, der Umfang wächst, Erfolgskriterien sind nicht messbar Zielbild und Business Case in der Initialisierung, messbare Erfolgskriterien, Änderungen des Umfangs nur per Entscheidung des Lenkungsausschusses
Support nach dem Go-live nicht einplanen Kurz vor dem Go-live sind Hypercare, Betriebsmodell und Verantwortliche nicht geklärt Betriebsmodell und Hypercare in Projektplan und Budget aufnehmen, Übergabe in den Betrieb als eigene Phase, klare Eskalationswege
Unklare Verantwortlichkeiten und fehlende Entscheidungen Entscheidungen werden vertagt, Prioritäten täglich neu verhandelt, Vorlagen für den Lenkungsausschuss sind nicht entscheidbar Rollen und Entscheidungsrechte zu Beginn festlegen, Entscheidungsvorlagen mit Optionen, Kosten und Risiken, eine Projektleitung mit klarem Mandat
Je früher ein Fehler auffällt, desto günstiger ist seine Korrektur. Verliert ein Projekt bereits an Steuerbarkeit, hilft zuerst eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wer verantwortet welche Entscheidung, und wo stehen Kosten und Risiken tatsächlich?

Checkliste: Passt SAP-Beratung für Ihr Unternehmen?

Dieser Selbstcheck hilft bei der ersten Einordnung. Er ersetzt keine Analyse, zeigt aber, welcher Einstieg zu Ihrer Situation passt. Beantworten Sie jede Frage mit „Ja“, „Nein“ oder „Unklar“.

Selbstcheck: sechs Fragen

  1. Gibt es Prozesse, die stark manuell oder über mehrere Systeme verteilt sind?
  2. Steht ein ECC- oder S/4HANA-Wechsel an? (Bei „Ja“ folgt die Zusatzfrage: Ist der Umstiegsweg bereits entschieden?)
  3. Brauchen Sie verlässliche Daten für Reporting und Entscheidungen?
  4. Soll SAP mit CRM, E-Commerce, MES oder HR-Systemen integriert werden?
  5. Fehlen interne SAP-Kapazitäten oder spezialisiertes Know-how?
  6. Soll die IT-Landschaft cloudfähig, sicher und skalierbar werden?

Umsetzungshinweis: Interaktiver Selbstcheck mit Auswahl „Ja / Nein / Unklar“ je Frage. Die Auswertung folgt der Reihenfolge der Tabelle unten; die Empfehlung erscheint zusammen mit dem Button „Erstgespräch vereinbaren“.]

Auswertung: Ihre erste Empfehlung

Die Auswertung prüft die Zeilen von oben nach unten. Es gilt die erste Zeile, die zutrifft.

Auswertung des Selbstchecks
Wenn Sie so antworten … Empfehlung Das bringt Ihnen der Einstieg
Frage 2 „Ja“ und der Umstiegsweg ist entschieden Migrationskonzept Das Konzept legt Umstiegsweg, Datenstrategie, Schnittstellen, Testansatz, Zeitplan und Risiken fest und macht das Vorhaben planbar und entscheidbar.
Frage 2 „Ja“ oder „Unklar“, der Umstiegsweg ist offen Readiness-Assessment Das Assessment bewertet Eigenentwicklungen, Datenqualität, Schnittstellen, Prozesse und Organisation. Ergebnis ist eine Entscheidungsgrundlage für Umstiegsweg, Aufwand und Zeitplan.
Frage 2 „Nein“ und Frage 5 „Ja“ Managed Services Betrieb, Support und Weiterentwicklung laufen mit klaren Service-Levels, auch wenn intern Kapazität oder Know-how fehlt.
Mindestens zweimal „Ja“ oder dreimal „Unklar“ bei den Fragen 1, 3, 4 und 6 Strategie-Workshop In einem Workshop mit Entscheidern aus Fachbereich und IT klären Sie Ziele, Prioritäten und Handlungsfelder und leiten daraus eine erste Roadmap ab.
Überwiegend „Nein“ Kein akuter Bedarf Eine regelmäßige Standortbestimmung hält Ihre Landschaft im Blick, bevor Fristen oder Anforderungen Druck erzeugen.

FAQ: Häufige Fragen zur SAP-Beratung

Was macht ein SAP-Berater?

Ein SAP-Berater analysiert Anforderungen, gestaltet Soll-Prozesse und richtet SAP-Lösungen so ein, dass sie zum Unternehmen passen. Dazu gehören Konfiguration, Tests, Schulung und die Begleitung des Go-live. Je nach Schwerpunkt arbeitet er fachlich, etwa in Finanzen oder Logistik, oder technisch, etwa bei Integration und Entwicklung.

Wann ist SAP-Beratung notwendig?

SAP-Beratung ist sinnvoll, wenn Entscheidungen anstehen, die sich später kaum korrigieren lassen: bei einer Neueinführung, einem Wechsel von ECC auf S/4HANA, einer Neuordnung von Prozessen oder einer Integration. Auch wenn Prozesse manuell laufen, Daten nicht verlässlich sind oder interne Kapazitäten fehlen, lohnt sich ein Blick von außen. Der Selbstcheck oben liefert eine erste Einordnung.

Wie lange dauert ein SAP-Projekt?

Das hängt von Umfang, Ausgangslage und Vorgehen ab. Als grobe Orientierung gelten Wochen bis wenige Monate für standardisierte Pakete, etwa 6 bis 12 Monate für Brownfield-Projekte und oft 9 bis 24 Monate oder länger für tiefgreifende Greenfield-Projekte. Eine belastbare Aussage ist erst nach der IST-Analyse möglich.

Was ist der Unterschied zwischen SAP-Beratung und SAP-Implementierung?

Die SAP-Beratung umfasst alle Leistungen rund um SAP, von der Strategie über Prozess- und Datenfragen bis zum Betrieb. Die SAP-Implementierung ist ein Teil davon: die technische und fachliche Umsetzung mit Konfiguration, Entwicklung, Tests, Rollout und Go-live. Eine gute Implementierung setzt gute Beratung davor voraus.

Brownfield oder Greenfield: Was ist besser?

Keiner der beiden Wege ist pauschal besser. Brownfield konvertiert das bestehende System und ist oft schneller und besser kalkulierbar. Greenfield baut neu auf, harmonisiert Prozesse und schafft ein schlankes System, erfordert aber mehr Aufwand. Die Selective Data Transition liegt dazwischen. Welcher Weg passt, entscheiden Individualisierung, Datenqualität, Budget, Zeitdruck und Cloud-Zielbild.

Was kostet SAP-Beratung?

Das lässt sich nur anhand Ihres Vorhabens seriös beantworten. Kostentreiber sind Umfang, Module, Anzahl der Gesellschaften, Individualisierung, Datenqualität und Migrationsansatz. Abgerechnet wird nach Tagessätzen, zum Festpreis, nach Time & Material mit Budgetrahmen oder im Betrieb per Monatspauschale. Für einen belastbaren Kostenrahmen gehören neben der Beratung auch interne Ressourcen, Datenbereinigung, Tests, Schulung, Hypercare, Infrastruktur und laufende Lizenzen in die Kalkulation.

Braucht jedes Unternehmen SAP S/4HANA?

Nein. Wer SAP ECC betreibt und die Wartung durch SAP behalten will, muss mittelfristig umsteigen: Die Standardwartung endet nach Angaben von SAP Ende 2027, eine erweiterte Wartung ist bis Ende 2030 möglich. Unternehmen, die bisher nicht mit SAP arbeiten, wählen ihr ERP-System nach Prozessen, Branche und Zielbild aus. Auch innerhalb von SAP gibt es Wahlmöglichkeiten, etwa die Public Cloud für standardisierte Prozesse oder die Private Cloud für komplexere Anforderungen.

 H3   Was ist RISE with SAP?

RISE with SAP ist ein Vertragspaket von SAP für den Umstieg in die Cloud. Es bündelt Software, Infrastruktur, Werkzeuge und Services unter einem Vertrag, SAP betreibt die Landschaft technisch. Den Kern bildet typischerweise SAP S/4HANA Cloud in der Private Cloud, eingeführt als Systemkonvertierung oder als Neuimplementierung. Für Neukunden mit Standardprozessen bietet SAP GROW with SAP an, das auf der Public Cloud basiert. Prozesse, Daten und Integration bleiben auch bei RISE with SAP Aufgabe von Unternehmen und Beratungspartner.

Kann SAP-Beratung remote erfolgen?

Ja, vieles lässt sich remote erledigen: Analysen, Konzeption, Entwicklung, Tests und Teile der Schulung. Präsenz bleibt sinnvoll für Workshops, Prozessaufnahmen, Entscheidungstermine mit dem Lenkungsausschuss und kritische Phasen wie den Go-live. Bewährt hat sich eine Mischung, abgestimmt auf Projektphase und Team. Wichtig ist, dass Kommunikation, Zugriffsrechte und Datenschutz für die Arbeit aus der Ferne klar geregelt sind.

Brauchen wir einen SAP-Partner oder reicht ein freier Berater?

Das hängt von Umfang und Risiko ab. Ein freier Berater passt gut zu klar abgegrenzten Aufgaben oder zur Verstärkung eines bestehenden Teams, bringt aber eine persönliche Abhängigkeit mit: Fällt die Person aus, muss Ersatz gefunden werden. Ein SAP-Partner bietet Teams, Vertretung und ein breiteres Leistungsspektrum, kann aber eigene Interessen mitbringen, etwa im Verkauf von Produkten und Betriebsleistungen. Auch gemischte Modelle sind möglich: ein Partner für die Implementierung und eine unabhängige Projektleitung auf Ihrer Seite.

Wie stellen wir sicher, dass das Projekt nach dem Go-live nicht endet?

Indem Sie den Betrieb von Anfang an mitplanen. Dazu gehören eine Hypercare-Phase mit klarem Ende, ein Betriebs- und Supportmodell, benannte Verantwortliche, ein Backlog für Weiterentwicklungen und Kennzahlen, an denen sich der Nutzen messen lässt. Klären Sie schon im Angebot, wer nach dem Go-live Support leistet und wie die Übergabe erfolgt. So wird aus dem Projekt ein laufender Verbesserungsprozess.

Ihre Frage fehlt? Wir beantworten sie gern in einem unverbindlichen Erstgespräch.